Donnerstag, 9. November 2017

Lucky Charms 2018

Weihnachten steht mal wieder vor der Tür.
Für den kommenden deutschen Weihnachtsbasar hier in Athen bemühe ich mich gerade um einige Kreationen ...
In Griechenland verschenkt man vor allem an Neujahr Glücksbringer für das kommende Jahr. Hier sind meine Ideen dazu:







Sonntag, 15. Oktober 2017

Komm! Wir wollen dir versprechen Rettung aus dem tiefsten Schmerz! - Goethe (Vorwort des gemeinsamen Tagebuchs meiner Eltern)

15. OKTOBER
Zeit als Abziehbild des Voranschreitens wie auch des Rückschreitens, nie des Stehenbleibens. 
Jeder von uns erlebt seine eigene Zeit anders. Manchen kann es gar nicht schnell genug gehen, manchen nicht langsam genug. Und mittendrin in dieser unserer Zeit wünschen wir uns nicht selten, sie würde zur Abwechslung einfach mal stehen bleiben und unserem so atemlosen Leben eine Nicht-Zeit gönnen.
Da die Zeit aber mitnichten stehen bleibt, müssen wir uns unsere eigenen Nicht-Zeiten selbst kreieren. Wir müssen manchmal einfach aus dem Perpetuum mobile der Zeit heraustreten, uns einfach neben sie stellen. Das gelingt nicht immer, weil die Zeit ja auch einen krakenhaften Charakter hat: sie umfängt uns, umschließt uns mit ihren Fangarmen, lässt uns schließendlich doch nicht aus … 

Aber dennoch: Lasst uns doch ab und zu einfach „zeitlos“ werden ! 😉


Ach ja, und wenn ich an diesem ruhigen Sonntag schon über die Zeit sinniere: 
Heute hätte mein Vater seinen 89. Geburtstag gefeiert!  Schön, wenn er noch bei mir wäre und ich seine ausnahmslos liebevoll-klugen Ratschläge einholen könnte! Er fehlt.  

Das angefügte Porträt meiner Mutter stammt von ihm, dem talentierten Hobbymaler. Gefunden habe ich es nach dem Tod meiner Mutter in einem Tagebuch, in dem sie gemeinsam - sie literarisch und er zeichnerisch -  die Geschichte ihres Kennenlernens und ihrer Liebe dokumentierten …   



Sonntag, 17. September 2017

Am Anus Europas ....



EINE WOCHE VOR DER WAHL
Heute in einer Woche werden die Deutschen zu den Wahlurnen schreiten…
In der Mehrzahl die ewigen Zögerer und Zauderer, die sich unbedingt ihren „Weiter so-Kokon“ erhalten möchten, koste es, was es wolle – selbst die Zukunft ihrer Kinder…
Dann die in ihrer „Besorgnis“ grölend Begeisterten, geht es doch darum, eine Partei in den Bundestag zu befördern, die dem Land einen Vintage-Stil aufdrücken will, so eine Art „Shabby Chic“, was allerdings dann nicht mehr romantisch-schick, sondern eher bräunlich versifft sein wird…
Dann sind da noch die wirklich Unzufriedenen (nicht zu verwechseln mit den oben erwähnten „Besorgten“), die weiter nach vorne schauen und sich eine nachhaltige Politik wünschen, die das Wort Demokratie endlich wieder ernst nimmt und nicht weiterhin durch die Wörter Plutokratie und „Lobbykratie“ ersetzt.
Und am Schluß sind da noch all jene, die resigniert haben und sich den Gang zum Wahllokal gleich ersparen…
Die Umfragewerte schwanken je nach Umfrageinstitut, das große Bild bleibt jedoch in Umrissen gleich – mit einem Paukenschlag ist am nächsten Sonntag nicht zu rechnen. Es ist keine politische Veränderung zu erwarten für die weitere Legislaturperiode: bad business as usual…
Allenthalben darf man sich bis zum nächsten Sonntag noch die Frage stellen, wie viele bräunlichen Sitze diese abgetakelten Gestrigen und frisch Vergestrigten im Bundestag am Ende erhalten werden - ob sie überhaupt welche erhalten, steht leider schon längst nicht mehr zur Debatte!
Da ich in Deutschland schon lange nicht mehr wählen darf, könnte ich es mir doch schön auf meinem griechischen Sofa gemütlich machen und die Welt einfach Welt sein lassen. Nur so funktioniert das leider nicht, denn die deutsche Politik hat sich schon längst wieder eine gefährlich führende Stellung innerhalb Europas zurückerobert, unter anderem auch in Bezug auf Griechenland .
Und so betrifft das, was im fernen Deutschland passiert, natürlich auch mich hier am südöstlichen Anus Europas.…

Dienstag, 5. September 2017

Das Leben geht unter Zaudern verloren, und jeder Einzelne von uns stirbt in seiner Unrast. - Epikur

Darstellung des Epikur (Raffael, Die Schule von Athen)
Wenn einem der verständigste aller Ehemänner dringendst ans Herz legt, man solle doch mal wieder EPIKUR lesen und endlich das Leben "philosophieren" anstatt sich ständig Sorgen zu machen 😏 :

Es folgen der Gang zum Bücherregal und stundenlanges Rumschmökern während einer (weiteren) schlaflosen Nacht... 

Richard David Precht (Wer bin ich und wenn ja, wieviele?)  zum Beispiel schreibt über Epikur:
„Epikur hütet sich davor, einen Generalplan über das Wesen, die Entstehung und den Zustand der Welt zu entwerfen, wie so viele seiner Vorgänger in der griechischen Philosophie. Eigentlich will er überhaupt nichts vollständig erklären, denn überall entdeckt er Wissenslücken  und Erklärungsmangel.  Statt einer alles umfassenden Erkenntnistheorie wendet er sich der Frage zu: Was ist im Rahmen der begrenzten menschlichen Möglichkeiten ein gelingendes Leben?“

Volker Spierling (Kleine Geschichte der Philosophie) fasst Epikurs Gedanken so zusammen: „ Zwei Hindernisse stehen der Glückseligkeit im Wege: die Furcht vor Göttern und die Furcht vor dem Tode. Wer glückselig leben will, muss zunächst diese beiden Hindernisse, die die Seele beunruhigen, beseitigen und sodann die Lust mit Klugheit willkommen heißen. Der ganze Sinn der theoretischen Philosophie liegt darin, daß dieses Ziel in der konkreten Lebenspraxis des einzelnen erreicht wird.“ 

Nun, dieser Epikur ist mir doch immer wieder sympathisch. Aktueller denn je. Einer, der nicht vorgibt, alles zu wissen, einer, der sich nicht an irgendwelche Götter hängt, einer, der den Menschen als Menschen begreift – in all seinen ganz real begrenzten Möglichkeiten…

Hier auch für euch ein paar Gedanken aus dem reichen Epikureischen Garten:

Der Anfang des Heils ist die Kenntnis des Fehlers.

Wenn Gott den Gebeten der Menschen entsprechen würde, dann wären schon längst alle Menschen zugrunde gegangen, weil sie unablässig viel Schlimmes gegeneinander erbitten.

Gewöhne dich an den Gedanken, daß der Tod uns nichts angeht. Denn alles Gute und alles Übel beruht auf Empfindung, der Tod aber ist der Verlust der Empfindung. (…) Das schauerlichste Übel, der Tod, geht uns also nichts an. Denn solange wir sind, ist der Tod nicht da, und sobald er da ist, sind wir nicht mehr.

Wir dürfen nie vergessen, daß die Zukunft zwar gewiß nicht in unsere Hand gegeben ist, daß sie aber ebenso gewiß doch auch nicht ganz außerhalb unserer Macht steht.

Entweder will Gott die Übel in der Welt abschaffen und kann es nicht, dann ist er schwach; oder er kann es nicht und will es nicht, dann ist er schwach und schlecht, und in jedem Falle kein Gott, oder er kann und und will es , woher kommen dann die Übel? Und warum beseitigt er sie nicht?

Zieh dich dann vor allem in dich selbst zurück, wenn du gezwungen bist, unter vielen Menschen zu sein.

Jede Lust ist ein Gut, weil sie uns vertrauter Natur ist, doch sollte nicht jede gewählt werden - ebenso wie jeder Schmerz ein Übel ist, dennoch nicht jeder immer vermieden werden sollte.

Behandeln muß man Schicksalsschläge mit der Dankbarkeit für das Verlorene und mit der Erkenntis, daß man das Vergangene nicht ungeschehen machen kann.

Schlimm ist der Zwang, doch es gibt keinen Zwang, unter Zwang zu leben. 

Bei einem argumentationsfreudigen Streitgespräch erreicht der Unterlegene mehr, insofern er etwas dazulernt.


Auch die Selbstgenügsamkeit halten wir für ein großes Gut, nicht, um uns unter allen Umständen mit dem Wenigen zu begnügen, sondern damit wir, wenn wir das Viele nicht haben, mit dem Wenigen zufrieden sind, in der festen Überzeugung, daß jene den größten Genuß am Luxus haben, sie seiner am wenigsten bedürfen, und daß alles Naturgemäße leicht zu beschaffen ist, das Unnütze aber schwer.

Der Anfang und die Wurzel alles Guten ist die Lust des Magens; auch Weisheit und Überlegenheit lassen sich darauf zurückführen.

Mach dir deine eigenen Götter und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.







Dienstag, 29. August 2017

Wenn Gott die Vorhaut nicht gewollt hätte, hätte er sie gleich weggelassen - Adriana Altaras

Nach diesen Augusttagen kann ich auf einen Stapel von Büchern zurückblicken, die mich durch diesen ruhigen Monat begleitet haben. Viel Lesenswertes war dabei und über das eine oder andere Buch hätte ich hier sicher schreiben sollen, war aber selbst dazu zu faul in meiner selbstauferlegten "Abkehr" von dieser Welt 😏 .


Image result for adriana altaras titos brilleEin Buch möchte ich dennoch hier in aller Kürze erwähnen, weil es mich überrascht hat:
Image result for adriana altarasDie jüdische Kroatin Adriana Altaras erzählt von ihrer Kindheit, ihrer "strapaziösen Familie", ihrem Leben im heutigen Deutschland. Altaras ist mir ein Begriff aus dem Fernsehen, ich habe sie schon öfter in Talkshows gesehen. Ich fand sie immer sehr sympathisch.

Zunächst jedoch versprach ich mir nicht sehr viel von der Lektüre;  allerhand Schauspieler und Prominente schreiben ja so vor sich hin, oftmals nicht das Papier wert, auf das gedruckt wird.
Ich fand das Buch zufällig und kann mich auch nicht mehr erinnern, wie es seinen Weg zu mir gefunden hat (vielleicht hat es mir gar eine Freundin geliehen? Sie darf sich gern melden, sollte sie diese Besprechung hier lesen!) ...

Schon im Prolog stellt Altaras lakonisch fest:" Ich bin Jüdin, Jahrgang 1960. So jetzt ist es heraus. Ich wurde in Titos Jugoslawien geboren."

Von da an entspinnt sich ihre Familiengeschichte. Die Eltern, die noch rechtzeitig aus Jugoslawien fliehen konnten, die exzentrische Tante, die nach dem Internierungslager in Jugoslawien nach Italien geschmuggelt wird, der Vater, der in Gießen eine beachtliche Karriere als Arzt macht, sich nebenbei auch außerehelich rege betätigt, die Mutter, die ihre Erfüllung in der Erforschung der Geschichte der Juden in Hessen findet, und schließlich sie selbst, die sowohl in Italien als auch Deutschland aufwächst und in Berlin ihre persönliche und berufliche Heimat finden wird.

Bis dahin eine Geschichte, die nicht außergewöhnlich erscheint angesichts zahlreicher jüdischer Nachkommen, die ihre Familiengeschichten von Tod, Internierung, Flucht und Exil literarisch verarbeitet haben. Altaras jedoch macht dies mit dem so typischen jüdischen Humor und einem beeindruckenden Lakonismus. Ihre Sprache ist eingängig, erfrischend weit davon entfernt, sich anlässlich des Themas in literarische "Höhen" aufzuschwingen. Nein, da erzählt eine Frau mit viel Ehrlichkeit, Einfühlungsvermögen, Witz und Selbstironie von den Ihren und dem "Erbe" der Exilanten, mit dem sie (auch ganz praktisch nach dem Tode der Eltern) versucht klarzukommen:

"Im Exil ist Todesschwäche absolut verboten. Im Exil ist alles schrecklich weit, 
weit weg und vorbei. Das Exil ist schon ein sehr besonderer Ort. Weder mein Vater 
noch meine Mutter und schon gar nicht ich waren freiwillig aufgebrochen. Aber wir 
konnten und wollten inzwischen nicht mehr zurück. Also musste man sich arrangieren - 
mit der Sprache, den Gerüchen, dem Essen.(...) Diejenigen, die zu Hause in der Heimat 
geblieben waren, lebten ein Stück weit unser altes Leben für uns mit. Das, was wir getan hätten, 
was wir geworden wären, was wir gegessen hätten, wenn.... Und wenn sie jetzt starben, starb 
ein Teil von uns, von unserem fast gelebten Leben. Ein Teil, den wir schon so lange begraben 
hatten, denn Heimweh ist im Exil verboten, es macht schwach und krank".


Ein Buch, das nachdenklich, aber auch Mut macht. Ich mußte bei manchen Textstellen - wie der obigen - unwillkürlich auch an das heutige Flüchtlingsdrama denken. Wie erlebt zum Beispiel ein Kind eine solche "Verpflanzung", wie gelingt es, seine Wurzeln nicht zu verlieren auf dem Wege in die totale Integration, die von der neuen Heimat eingefordert wird? Zurückbleiben werden wohl immer solche Menschen wie Adriana Altaras, die irgendwie versuchen, ihren Platz zu finden ohne sich und ihre Vergangenheit aufzugeben. In manchem hat mich das Buch in seinem Duktus übrigens stark an die Romane der New Yorker Jüdin Lilly Brett erinnert...

Eine trotz des Themas sehr kurzweilige und dennoch tiefer gehende Lektüre. Ich kann das Buch nur empfehlen.




Mittwoch, 23. August 2017

Anteilnehmende Freundschaft macht das Glück strahlender und erleichtert das Unglück - Cicero

 Eine witzige TITANIC-Karikatur und ein Zitat von Paul Heyse brachten mich heute mal wieder dazu, über Freundschaft nachzudenken.
Wenn man die Karikatur nicht ganz „wörtlich“ nimmt und von der Konstellation Mann-Frau absieht, steckt doch ein Körnchen Wahrheit darin: 
Egal ob Mann oder Frau, wir alle wollen nicht jederzeit ungefragte gute Ratschläge von unseren Freunden und Mitmenschen bekommen. Wir wollen vielleicht manchmal nur die Seele erleichtern und brauchen einen geduldigen Zuhörer. Wir brauchen manchmal all die (sicherlich gut gemeinten)  "konstruktiven Vorschläge" nicht; Antworten finden wir eh meist selbst, wenn wir uns wieder beruhigt haben und klarer denken können. Benötigen wir tatsächlich Ratschlag, werden wir ihn schon suchen. 
Was wir aber brauchen von unseren Freunden, ist meist ganz einfach ein mitfühlender Blick, ein liebevolles Wort, eine empathische Geste. Nichts weiter ...



Was Paul Heyse schreibt, beleuchtet die Freundschaft von einer anderen Seite:

Da ist die Freundin, die sich als alleinerziehende berufstätige Mutter großartig durchs Leben geschlagen hat und heute ihre Rente in ihrem wohlverdienten Häuschen am Meer genießt; da ist die Freundin, die nach einem langen, psychisch sehr anspruchsvollen Berufsleben mit viel Elan Mittel und Wege sucht, ins "Land ihrer Träume" ziehen zu können; da ist die Freundin, die viele Jahre lang selbständig war und die Tücken dieses Daseins nur allzu gut kennt; da ist die arbeitslose Freundin, die undenkbare finanzielle Nöte am eigenen Leibe erlebt, trotzdem nie den Mut verliert und neue Wege für sich selbst beschreitet ... 


In all ihnen kann ich ein Stück von mir selbst wiedererkennen: die lebenslange Berufstätigkeit, die finanziellen Nöte, die Liebe zu Griechenland, das Dasein als Selbständige, das sich immer wieder Aufrappeln etc..  Und so sind sie mir in ihren ähnlichen Erlebnissen eine wie die andere sehr nah - Seelenverwandte alle zusammen. 

Sie halten sich zurück mit "konstruktiven Vorschlägen", weil sie vielleicht aus ihren eigenen ähnlichen Erfahrungen heraus über die nötige "Seelenkunde" verfügen. 
Sie stehen mir einfach nur zur Seite, wenn ich mal wieder versinke. Sie nehmen mich im übertragenen Sinne einfach nur in den Arm. Sie muntern mich auf - und, ganz wichtig: 
sie bringen mich oft zum Lachen! 
Sie haben einfach das Talent zur Freundschaft  ...

All ihnen widme ich diese meine Gedanken heute ...







Sonntag, 13. August 2017

Auf der Suche nach einer Geschichte?


Da wird man unverhofft in eine Gruppe eingeladen, in der sich vielseitig Literatur- und Sprachbegeisterte dazu aufmachen, eine Geschichte zu schreiben, in der einige vorgegebene Wörter beinhaltet sein sollten ... 

Nun ist das LEBEN selbst bei der hobbymäßigen Betätigung des Schreibens kein Zuckerschlecken. Allzu oft verheddert man sich in den Fäden des Alltags, in den Anforderungen und Unwägbarkeiten jedes einzelnen Tages, der gelebt werden muss. Die Vorstellung des erfolgreichen (oder zumindest vom wohlmeinenden BESTEN FREUND gelobten) Schriftstellers bleibt nur allzu oft ein sehnsuchtsvoller TRAUM.  
So manch Einer hat vielleicht die Möglichkeit, sich während eines Urlaubs in ANDALUSIEN oder anderen hitzegeflirrten Gefilden der SONNE hinzugeben und dabei seine Gedanken in ungeahnte, schriftstellerische Höhen schweifen zu lassen und diese brilliant zu Papier zu bringen …
So manch Einer wird in unzähligen, viel zu langen Nächten versuchen, die Mühsamkeiten des Tages abzuschütteln und sich dem Verfassen eines wunderbaren Textes zuzuwenden, in der Hoffnung auf phantasiereiche Erlösung …
So manch Einer wird nach unzählig verworfenen ersten Sätzen  BLUT und Wasser schwitzen und den Schreibversuch auf die nächste masochistische Lebensphase verschieben …

Wie auch immer: wir befinden uns also auf der Suche. Nicht nach der sprichwörtlichen verlorenen Zeit, auch nicht nach dem den passionierten Theaterbesuchern geläufigen Autor -  in unserem Falle erklärtermaßen nach dem Autor in uns selbst, nach einer Geschichte, nach einem Gefühl, nach einem Erlebnis, das wir in irgendeine literarische Form fassen könnten. 

Dem Einen mag das pointierte Haiku genehm sein, dem  Anderen die etwas längere Kurzgeschichte.  In unserer noch ungereimten Phantasie, in der es sich nicht selten besser als in der Wirklichkeit tummeln lässt, versuchen wir, unsere Kreativität zu entdecken und diese dann ganz real schriftlich auszuleben. Wir versuchen, unsere Gedanken Kinderhand entwichenen LUFTBALLONS gleich in ungeahnte Höhen steigen zu lassen, hoffend, dass sie wie ein Bumerang zu uns zurückkommen mögen – selbstverständlich schön ausgeformt in wohlfeilen Worten.

Wenn es denn so einfach wäre! Schreiben bedeutet Ringen um Gefühle, Ringen um Einfälle, Ringen um Erinnerungen, Ringen um Abstraktion und Ringen um jeden einzelnen Satz, um jedes einzelne Wort. Schreiben ist selbstauferlegte Arbeit, verlangt den Luxus von Zeit, offene Augen und Sinne, Unvoreingenommenheit und Selbstkritik. Schreiben ist mit dem Leben selbst zu vergleichen.


Und während ich noch auf der Suche nach der kreativen Eingebung bin, erkenne ich, dass das Leben, das Erleben, Interpretieren, Reagieren und Verstehen all dessen, was tagtäglich um mich herum vor sich geht, eben diese meine Geschichte hätte sein können  – so wie diese Suche, die sich mittlerweile allerdings von selbst erledigt hat, weil sich die besagte Facebook-Gruppe nach nur kurzer Zeit ins unkreative Nichts verflüchtigt hat … 
😏😏😏

Dienstag, 1. August 2017

Als die Sonne sich dem Horizont näherte und dabei Glanz und Form verlor und schließlich als rote Ellipse in bleigrauem Dunst versank ... Christoph Ransmayr

Einige schöne Bücher konnte ich in letzter Zeit wieder lesen, eines davon und ganz besonders erwähnenswert ist dieses:
Der Atlas eines ängstlichen Mannes des von mir sehr geschätzten Autors Christoph Ransmayr.

Das Buch ist eine Sammlung von siebzig Reisegeschichten, die Ransmayr in die nahen, aber vor allem auch entferntesten Ecken der Welt brachten. Dies sind bei weitem keine alltäglichen Reisebeschreibungen, sondern Momentaufnahmen, in ihrer Beobachtungsgabe beeindruckende "Miniaturen", mit Blick auf die dem Reisenden begegneten Menschen oder zufällig mitgelebten Begebenheiten: in Sevilla, auf der Chinesischen Mauer, auf Ios, in Vietnam, Bolivien, Griechenland, Moskau, Wien, auf den Osterinseln, in Amerika, Mexiko, der Türkei, am Nordpol etc. Ich erspare es dem Leser, die siebzig Orte dieser Erzählungen sinnlos aneinanderzureihen ...  😏

Der Leser wird in diesem Buch mehr als reich belohnt mit den vielen Menschen, die dem Autor ihre Geschichten und manchmal auch die Geschichte ihrer Heimat erzählen. Ransmayr hat dabei immer den Blick auf die Einzelheit, die besondere Begebenheit, die er in ein Ganzes einzufügen weiß. So erhält man als Leser das überwältigende Gefühl, diesen Orten, die wir selbst wohl nie werden besuchen können, am Ende doch etwas näher gekommen zu sein ... Dies gelingt wohl nur wenigen Autoren!

Ich gebe zu, oft innegehalten zu haben, gar die eine oder andere der siebzig Geschichten noch einmal gelesen zu haben. Nicht unbedingt nur die Geschichten von den allzu wenigen Orten, die ich selbst kenne, nein, auch jene über mir unbekannte Orte, die mich nichtsdestotrotz aufgrund von Ransmayrs wundervollen Sprache, Einfühlungsvermögen und beobachtender Genauigkeit zum nochmaligen Lesen geradezu aufforderten. So taucht der Leser in einen "allumfassenden Mikrokosmos" ein - wobei ich mir des hier gebrauchten Oxymorons durchaus bewusst bin ...
Und gerade als ich über dieses Oxymoron nachdenke, kommt mir der Gedanke, dass gerade darin vielleicht der Charme und die Genialität dieses Buches liegen: Wir lesen Geschichten, die sich in allen erdenklichen Teilen der Erde abgespielt haben, und stellen fest, wenn wir das Buch schließen, dass sie alle doch nur exemplarisch für unser Leben auf dieser Welt stehen. Eine andere, eine vielfältigere und interessantere bekommen wir nicht - sie ist alles, was wir in diesem einen unserem Leben haben können. Mehr als genug wie mir scheint ...

Ein schönes Interview mit Christoph Ransmayr aus dem Jahre 2006, in dem er über das Reisen und seine Reisen spricht - lange noch bevor er dieses Buch hier geschrieben hat -, findet Ihr hier .

Samstag, 22. Juli 2017

Listen ....

GEDANKEN ZUM WOCHENENDE:
Die letzten Wochen waren ein einziges Hamsterrad. Arbeit ohne Ende und ohne nennenswerten Gewinn. Stundenlohn? Kein Kommentar. Gewinn? Kein Kommentar. Einfach nur Überleben in einer  wirtschaftlichen Krise und nicht der Rede wert ...
Und doch berührt mich nicht nur mein eigenes Dasein. Ich denke an all die verqueren Dinge, die mehr oder weniger unbemerkt um uns herum ihren Lauf nehmen (die Reihenfolge dieser Liste ist rein zufällig und keiner Relevanz geschuldet):

-         In der Türkei wird allen Ernstes über die Wiedereinführung der Todesstrafe nachgedacht.

-         In Deutschland erfreuen sich Merkel & Co nach den Hamburger Ereignissen stetig steigender Beliebtheit – die Wahlen im September sind  nur noch Makulatur.

-          In Polen wird das Rechtssystem „demokratisch“ ausgehebelt.

-         Bayern erweitert den Gewahrsam von „Gefährdern“ von zwei Wochen auf drei Monate , was aber de facto auf unbestimmte Zeit hinaus erweitert werden kann.

-         Österreich rüstet am Brenner auf zur Abwehr von Flüchtlingen - und Bayern hat tatkräftige Unterstützung bekundet.

-         Griechenland versinkt trotz der letztens bewilligten „Hilfe“ unaufhaltsam im wirtschaftlichen Chaos.
-        
 Die flüchtenden Menschen aus Afrika und aus anderen Ländern haben keine Chance und werden weiter im Mittelmeer ertrinken. Mitteleuropa geht das – mit Verlaub – am Arsch vorbei.

-         Das Recht des Menschen auf Wasser wird ausgehebelt – mit tatkräftiger Unterstützung der Schreibtischtäter der EU und der westlichen Regierungen – allen voran die deutsche Bundesregierung.

-          In Griechenland wird eine angebliche Sympathisantin von Terroristengruppen mit äußerst fragwürdigen und dünnen Beweisen zu langjähriger Haft verurteilt – unter einer sogenannten linken Regierung.

-          In Kos und an der türkischen Küste gab es ein Erdbeben von 6.4 Richter mit 2 Toten und zahlreichen Verletzten. Den ostägäischen Inseln bleibt auch nichts erspart ….


Dies waren nur einige Beispiele dafür, wie es um uns herum so zugeht. Habe ich etwas vergessen? Mit Sicherheit!  Und so kommt mir ganz nebenbei beim Schreiben dieser unendlichen Liste unserer Absurditäten Umberto Eco in den Sinn, der in einem seiner letzten Bücher Folgendes schrieb und dem ich nicht so ganz zustimmen kann, zumindest, was das „Begreifen des Unbegreiflichen“ in meiner Liste anbelangt:


Dienstag, 18. Juli 2017

Der ist nicht fremd, der teilzunehmen weiß. - Goethe

Seit über 20 Jahren bin ich eine Fremde in der Fremde.  Eigentlich wollte ich nie nach Griechenland. Italien war von den ersten Studientagen an erklärtes Lebensziel.  Daß es dann anders gekommen ist, ist – wie vieles in unserem Leben - dem Zufall zuzuschreiben.
Ich schicke also voraus, daß  ich in Wahrheit nicht zu den unzähligen Deutschen gehöre, die quasi mit wehenden Fahnen nach Griechenland gekommen sind, um Sonne, Strand und Meer zu genießen. Es war eher ein verhaltenes Gefühl von Neugierde gepaart mit einer gehörigen Prise Fatalismus 😉 .

Und so lebe ich nun seit über 20 Jahren in einem Land, in das ich nicht unbedingt wollte - zumindest stand es nicht auf der Wunschliste des Lebens. Aber ehe man sich versieht, vergehen die Jahre, der Lebensraum wird zur allzu geliebten Gewohnheit und man richtet sich ein. 

Heute kann ich sagen, dass mir Deutschland immer weniger fehlt. Neulich sagte mir eine Freundin, da ich nicht mehr regelmäßig in Deutschland wäre, wäre mir auch das Bedürfnis nach meiner Heimat abhanden gekommen. Eine seltsame Überlegung, wäre doch die logische Reaktion auf diesen "Entzug" ein immer stärker werdender Wunsch nach der Heimat. Aber die Eltern sind tot, meine Freunde von früher sind in alle Winde der Welt verstreut. Es ist im Laufe der Jahre ruhig geworden um mich, um sie und damit auch um unsere gemeinsame Heimat und Vergangenheit …

So wird man als Seelenwanderer zwischen zwei Ländern, zwei Kulturen und Mentalitäten mit zunehmendem Alter mehr und mehr auf sich selbst zurückgeworfen. Und oft stelle ich mir selbst die Frage, warum zieht es mich nicht mehr so in meine Heimat wie früher als z.B. die Eltern noch lebten?  Sicherlich ist mit ihnen das wichtigste Verbindungsglied verschwunden. Aber darüberhinaus liegt es auch an mir selbst. Die langen Jahre fern von der Heimat haben ihre Spuren hinterlassen, haben mich verändert und haben mich in dem Lebensraum verankert, den mir der Zufall zugedacht hat. Und das ist richtig und gut so. 

Was mich in der ersten Zeit hier am meisten störte, war dieses Leben zwischen den Stühlen, dieses Leben quasi im Zwischenraum. Ich stellte schnell fest, dass es nicht ehrlich ist, nicht wirklich lebbar ist – jedenfalls nicht für mich. Ich konnte mit meiner Heimat als ewiger "Hintertür" nicht aufrichtig in einem Land leben, das sich in so vielem von unserem Leben in Deutschland unterscheidet.  Meine Arbeit brachte es mit sich, dass ich von Anfang an fast ausschließlich zu Griechen Kontakt bekam. Kontakte zu netten Landsleuten kamen eher zufällig zustande, da ich mich ganz bewußt nicht ausdrücklich darum bemühte. Ich spürte instinktiv, daß ich nicht inmitten einer deutschtümelnd geistigen Enklave in einem fremden Land leben kann.

Dennoch spüre ich nach all diesen Jahren einen für mich entscheidenden Zwischenraum, dem auch ich nicht entkomme: Wenn ich überhaupt noch ein „Fremdeln“ empfinde, dann nur in der Sprache.  Meine Muttersprache ist mein ureigenstes Ausdrucksmittel, die fremde Sprache bleibt letztendlich immer fremd, obwohl ich mich zugegebenermaßen recht gut in ihr eingerichtet habe. Aber niemals werde ich in der Lage sein, mich in der fremden Sprache exakt so auszudrücken wie in meiner eigenen. Niemals werde ich das ständige Suchen nach dem richtigen Ausdruck überwinden können. Die fremde Sprache wird in meinem Sprachverständis immer nur eine ungefähre bleiben, die mir in so manchem interessanten Gespräch eine tiefer gehende Mitteilung verwehrt. Aber dies ist für mich persönlich der einzige Wermutstropfen meines Lebens hier, den ich mir mit Lesen und Literatur jedoch einigermaßen versüßen kann ... 😉


Abgesehen jedoch von meiner Sprache, kann ich kein Leben im Zwischenraum leben. Dabei fällt mir spontan der berühmte Satz Adornos aus seinen Minima Moralia ein: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" - ein vielfältig interpretierbarer Satz natürlich, aber ich kann ihn deshalb auch auf meine Situation beziehen; denn es gibt nicht wenige Landsleute von mir, die hier unbewusst ein falsches Leben führen. Sie saugen die Vorteile auf wie trockene Schwämme und echauffieren sich im selben Atemzug mit übertriebener Hingabe über die Nachteile - die übrigens alle Länder der Welt im Überfluss zu bieten haben. Sie bleiben dabei ganz unbewusst ihrer angeborenen Mentalität verhaftet, deren Nachteile aber seltsamerweise nur selten von ihnen selbst hinterfragt werden. Sie bleiben in Wirklichkeit den Zwischenräumen verhaftet, am Ende sind viele von ihnen weder hier noch dort wirklich zuhause.

So aber macht man sich am Ende "falsch", denn man hat sich in einer Art selbstgewählter Vermeintlichkeit eingerichtet.
Und man verzichtet auf das größte Geschenk, das gerade so ein Leben weitab der Heimat uns machen kann: Uns selbst, unsere Mentalität und unser Land durch den Blick der Anderen besser zu verstehen lernen.






Montag, 17. Juli 2017

Wenn ich wüßte, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten. - Pablo Picasso

Einige Zeit seit meinem Besuch im Museum Zeitgenössischer Kunst in Athen (EMST) und im Benaki-Museum mit der aktuellen documenta-Ausstellung ist vergangen. Die documenta14 in Athen hat nun ihre Pforten geschlossen. Vieles wurde und wird noch über dieses Projekt geschrieben, von griechischer und deutscher Seite. Künstler, Betrachter, Kunstexperten ... sie alle haben ihre Meinung zu diesem "Event" -  und das ist auch gut so.
In all diesem Wust von Meinungen und Einschätzungen bin ich als Betrachter auf mich selbst gestellt, ich kann mich nur auf das konzentrieren, was Kunstbetrachtung für jeden Einzelnen von uns ausmachen sollte. Denn Kunst war und ist für den Betrachter eine weitgehend persönliche Angelegenheit. Vor allem in der zeitgenössischen Kunst beginnen wir oft mit der Frage "Und DAS soll jetzt Kunst sein!?", nur um dann manchmal trotzalledem festzustellen, daß uns dieses Kunstwerk "irgendwie" anspricht, auch wenn wir es nicht verstehen oder einordnen können.
Und ich frage mich: Was ist so schlimm daran? Gibt es denn heute so etwas wie einen allgemeingültigen Kunstkanon? Sind nicht auch die künstlerischen Medien im Laufe des vergangenen Jahrhunderts so vielfältig geworden, daß man sie kaum mehr in einen allumfassenden Kanon vereinen können?

Jede Kunst muss der absolut subjektiven Rezeption und Wertung ausgesetzt bleiben. Nicht umsonst haben sich die heutige Kunstbetrachtung und -Theorie den Betrachter als Ausgangspunkt auserkoren oder wie es Wolfgang Kemp in seinem wunderbaren Buch "Der Betrachter ist im Bild" ausdrückt:

Das Sujet der Werke ist das Subjekt, 
ist die Formung unserer Identität über Prozesse der Wahrnehmung und Identifikation. 

Die Rolle des Betrachters ist übrigens seit den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts mehr und mehr thematisiert worden - sozusagen auf die Spitze getrieben dann von Marina Abramovic mit ihrer Performance "The artist is present" im New Yorker MoMa im Jahre 2010 (theartistispresent), wo Künstler und Betrachter selbst Gegenstand der Kunst wurden.

Sprechen wir über Kunst, bleibt am Ende nur ein Gedanke: Kunst, egal welcher Epoche, soll vor allem berühren, ansonsten hat sie keinen Sinn. Zuerst ist bei Jedem nur ein Gefühl da - und es ist absolut subjektiv und eben deshalb auch nicht diskutierbar (nichts Unfruchtbareres als eine "gepflegte" Diskussion über Kunst unter Freunden 😊😊😊).

Diskutierbar wird Kunst wohl erst auf wissenschaftlicher Ebene - was uns als unbedarfte Betrachter aber zunächst einmal nicht zu interessieren hat. Nicht jedes Kunstwerk muss Jedem von uns etwas "sagen". Und ist dies nicht das Schöne an der Kunst: Sie kann in ihrer unendlichen Vielfalt viele Menschen ansprechen und ebenso viele nicht. Und dies verbindet die bildenden Künste auch mit der Literatur. Man kann Bücher diskutieren, man kann Texte unendlich analysieren,  aber man kann kein Buch lieben, nur weil es laut literarischem Kanon "bedeutend" ist (siehe z.B. die endlose Diskussion in literarischen Zirkeln über Joyce und seinen Ulysses 😉 ).

Man muss also unterscheiden zwischen der individuellen Rezeption von Kunstwerken und der wissenschaftlichen Betrachtung. Man sollte als Betrachter deshalb auch den Mut zur sogenannten "Lücke" haben. So wie man sich ein Buch aussucht, trifft man auch in einem Museum seine ganz persönliche Auswahl... was kann es Schöneres geben!?

Und beim Nachdenken über den Sinn und Unsinn von Kunst oder auch Literatur erscheint mir doch die Musik als bestes Beispiel für die richtige Kunstbetrachtung: Wer würde sich beim Anhören eines Musikstückes die Frage stellen, ob es dem allgemeingültigen "Kanon" oder auch nur Geschmack entspricht?

Und so wie ich mit Picasso begonnen habe, möchte ich auch diese heutigen Gedanken mit ihm schließen:

Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, 
die Lieder eines Vogels zu verstehen? Warum liebt man 
die Nacht, die Blumen, alles um uns herum, ohne es durchaus 
verstehen zu wollen? Aber wenn es um ein Bild geht, 
denken die Leute, sie müssen es "verstehen" . 




P.S.  Ein überaus spannender Ansatz zur allgemeinen
Kunstbetrachtung und Kunstinterpretation ist Susan Sontags Aufsatz: "Gegen Interpretation" aus dem Jahre 1965 (erschienen u.a. in der Essaysammlung "Kunst und Antikunst, München 1980)





Sonntag, 11. Juni 2017


Zwei Texte fielen mir diese Woche auf Facebook auf, die ich hier mit Euch teilen will , nein... muss!

Der erste ist ein Brief von Albert Einstein an seine Tochter, der zweite die letzten überlieferten schriftlichen Gedanken von Gabriel Maria Marquez.
Beide Texte sind lesenswert und berührend. Beide Texte unterscheiden sich in ihrer Stellung zu Gott. Marquez ist einer gläubigen -wenn auch kritischen - Gottesvorstellung verhaftet, Einstein verneint dies - natürlich - rigoros.
Bildunterschrift hinzufügen

Anrührend sind beide Texte, egal, wie man persönlich zu diesem unserem ominösen "Gott" stehen mag:

Als ich die Relativitätstheorie vorschlug, verstanden mich nur sehr wenige und was ich Dir jetzt zeigen werde, um es der Menschheit zu übertragen, wird auch auf Missverständnisse und Vorurteile in der Welt stoßen. Ich bitte Dich dennoch, dass Du es die ganze Zeit, die notwendig ist, beschützt –Jahre, Jahrzehnte, bis die Gesellschaft fortgeschritten genug ist, um das was ich Dir als Nächstes erklären werde, zu akzeptieren.
Es gibt eine extrem starke Kraft, für die die Wissenschaft bisher noch keine formelle Erklärung gefunden hat. Es ist eine Kraft, die alle anderen beinhaltet und regelt und die sogar hinter jedem Phänomen ist, das im Universum tätig ist und noch nicht von uns identifiziert wurde. Diese universelle Kraft ist LIEBE.Wenn die Wissenschaftler nach einer einheitlichen Theorie des Universums suchten, vergaßen sie die unsichtbare und mächtigste aller Kräfte.Liebe ist Licht, da sie denjenigen, der sie gibt und empfängt, beleuchtet. Liebe ist Schwerkraft, weil sie einige Leute dazu bringt, sich zu anderen hingezogen zu fühlen. Liebe ist Macht, weil sie das Beste was wir haben, vermehrt und nicht zulässt, dass die Menschheit durch ihren blinden Egoismus ausgelöscht wird. Liebe zeigt und offenbart. Durch die Liebe lebt und stirbt man. Liebe ist Gott und Gott ist die Liebe.Diese Kraft erklärt alles und gibt dem Leben einen Sinn in Großbuchstaben.Dies ist die Variable, die wir zu lange ignoriert haben, vielleicht, weil wir vor der Liebe Angst haben, weil es die einzige Macht im Universum ist, die der Mensch nicht gelernt hat, nach seinem Willen zu steuern.Um die Liebe sichtbar zu machen, habe ich einen einfachen Austausch in meiner berühmtesten Gleichung gemacht. Wenn wir anstelle von E = mc² zu akzeptieren, die Energie akzeptieren, um die Welt durch Liebe zu heilen, kann man durch die Liebe multipliziert mal der Lichtgeschwindigkeit hoch Quadrat zu dem Schluss kommen, dass die Liebe die mächtigste Kraft ist, die es gibt, weil sie keine Grenzen hat.Nach dem Scheitern der Menschheit in der Nutzung und Kontrolle der anderen Kräfte des Universums, die sich gegen uns gewendet haben, ist es unerlässlich, dass wir uns von einer anderen Art von Energie ernähren.Wenn wir wollen, dass unsere Art überleben soll, wenn wir einen Sinn im Leben finden wollen, wenn wir die Welt und alle fühlenden Wesen, die sie bewohnen, retten wollen, ist die Liebe die einzige und die letzte Antwort.Vielleicht sind wir noch nicht bereit, eine Bombe der Liebe zu machen, ein Artefakt, das mächtig genug ist, den gesamten Hass, Selbstsucht und Gier, die den Planeten plagen, zu zerstören. Allerdings trägt jeder Einzelne in sich einen kleinen, aber leistungsstarken Generator der Liebe, deren Energie darauf wartet, befreit zu werden.Wenn wir lernen, liebe Lieserl, diese universelle Energie zu geben und zu empfangen, werden wir herausfinden, dass die Liebe alles überwindet, alles transzendiert und alles kann, denn die Liebe ist die Quintessenz des Lebens.Ich bedauere zutiefst, nicht in der Lage gewesen zu sein, um das auszudrücken, was mein Herz enthält, das leise mein ganzes Leben für Dich geschlagen hat.Vielleicht ist es zu spät, mich zu entschuldigen, aber da die Zeit relativ ist, muss ich Dir sagen, dass ich Dich liebe und dass ich, dank Dir, bis zur letzten Antwort gekommen bin.Dein Vater,
Albert Einstein






Wenn für einen Augenblick Gott vergessen würde, dass ich eine Stoffmarionette bin und er mir noch einen Fetzen Leben schenken würde: die Zeit würde ich intensiver ausnutzen. Sehr wahrscheinlich würde ich nicht alles sagen was ich denke, aber ich würde überlegen, was ich sage. Ich würde die Dinge bewerten, nicht dafür, was sie Wert sind, sondern dafür,
was sie bedeuten. Ich würde weniger schlafen, ich würde mehr träumen, denn für jede Minute in der wir die Augen schließen, verlieren wir sechzig Sekunden Licht. Ich würde gehen wenn andere stehen bleiben und aufwachen wenn andere schlafen.
Wenn Gott mir einen Fetzen Leben schenken würde, einfach würde ich mich kleiden und mich in die Sonne stürzen und nicht nur meinen Körper sondern meine Seele öffnen. Den Menschen würde ich beweisen, wie sie sich irren wenn sie denken, dass sie sich nicht mehr verlieben könnten wenn sie alt werden, ohne zu wissen, dass sie alt geworden sind, weil sie sich nicht mehr verliebt haben.
Einem Kind würde ich Flügel schenken, aber ich würde ihm allein das Fliegenlernen überlassen. Den Alten würde ich lehren, dass der Tod nicht mit dem Altwerden kommt, sondern mit dem Vergessenwerden.
So viele Dinge habe ich von ihnen, den Menschen gelernt. Ich habe gelernt, dass die ganze Welt auf dem Gipfel des Berges zu leben bestrebt ist, ohne zu wissen, dass das wahre Glück daran liegt, wie man den Berg besteigt. Ich habe gelernt, dass, wenn ein Neugeborenes mit der Faust zum ersten Mal den Daumen des Vaters drückt, ihn für immer gefesselt hat.
Ich habe gelernt, dass ein Mensch nur das Recht hat auf einen anderen Mensch hinab zu blicken, wenn er ihm beim Aufstehen hilft. Es sind so viele Dinge, die ich von Ihnen gelernt habe, aber das Gelernte wird mir nicht viel nützen, wenn ich in dem Koffer aufbewahrt werde - unglücklicherweise liege ich im Sterben. Sag immer was du fühlst und mach was du denkst.
Wenn ich wüsste, dass heute das letzte Mal wäre, dass ich dich schlafen sehe, würde ich dich fest umarmen und Gott bitten der Schutzengel deiner Seele sein zu dürfen. Wenn ich wüsste, dass dies die letzten Minuten sind, in denen ich dich sehe, würde ich sagen: »Ich liebe dich« und ich würde es nicht für selbstverständlich hinnehmen, dass du es schon weißt.
Es gibt immer einen Morgen und das Leben gibt uns immer eine andere Chance, die Dinge gut zu machen. Aber was ist wenn ich mich irre und das Heute ist alles was uns übrig bleibt? Dann würde ich gerne sagen, wie sehr ich dich liebe und dass ich dich nicht vergessen werde.
Der Morgen ist niemandem versichert worden, jung oder alt. Heute kann es das letzte Mal sein, dass Du diejenigen siehst, die du liebst. Deshalb warte nicht, mach es jetzt, denn wenn der Morgen nie kommt, wirst du den Tag bereuen, als du keine Zeit hattest für ein Lächeln, eine Umarmung, einen Kuss, oder einen Wunsch zu erfüllen, weil du so beschäftigt warst.
Suche die Nähe deiner geliebten Menschen, flüstere ihnen zu wie sehr du sie brauchst, liebe sie und behandele sie gut. Nimm dir Zeit um ihnen zu sagen: »Tut mir Leid«, »Bitte«, »Danke« und alle Liebeswörter, die du kennst. Niemand wird sich für deine geheimen Gedanken an dich erinnern; bitte Gott, dass er dir Kraft und Weisheit gibt, sie auszudrücken. Sage deinen Freunden und geliebten Menschen, wie wichtig sie für dich sind. 
(Abschiedsbrief von Gabriel Garcia Marquez)